Weshalb ein "perfekter" CV nicht alles ist

Das Vitae in CV


Vielleicht bereiten Sie sich gerade auf das nächste Interview vor oder bringen Ihre CV-Unterlagen wieder einmal auf Vordermann und fragen sich, was Sie tun können, um sich im Rennen um den begehrten Job noch besser zu positionieren. Womöglich machen Sie sich Gedanken über das richtige Erscheinungsbild, die ideale Beschreibung der bisherigen Tätigkeiten und Zusatzqualifikationen oder ein „perfektes“ Anschreiben, welches Ihren Karrierepfad ins beste Licht rückt. Natürlich macht dies Sinn, da die Personalwelt, wie wir sie heute erleben, häufig „CV-Shopping“ betreibt. Dabei wird primär nach Bewerbungsunterlagen und Hard Skills selektiert und weniger auf Nachhaltigkeitsfaktoren wie Cultural Fit, Leadership Match, strategische Ziele oder persönliche Wertestrukturen. Hierbei gibt es ein kleines aber feines Problem. Es wird anhand von harten Faktoren bewertet, die in erster Linie die Ratio des Personalverantwortlichen ansprechen. Man versucht demnach mit Verstand und Logik, also mit objektiven Auswahlkriterien, den besten Bewerber für ein Unternehmen zu finden. Schließlich heißt es doch so oft, man solle Gefühle aus dem Business heraushalten.
Doch leider trifft dies im Kern nicht den Nachhaltigkeitsgedanken, und schon gar nicht das Ziel von Performance und Wachstum im Unternehmen. Da Unternehmen die steigende Fluktuation zu spüren bekommen, stellen viele Personalabteilungen auch Ihr Recruiting um. Man kann einen Shift hin zu menschlicheren Faktoren und Soft Skills erkennen. Passt ja auch, schließlich heißt es ja schon immer „Human“ Ressource Management.

Wie wir aus dem Sales-Bereich wissen, geht es beim Verkauf und Influencing auch darum, die Emotionen des Gegenübers anzusprechen. Erst danach macht man den Sack mit Logik durch Argumentation zu. Im Vordergrund steht das Ergebnis, die Lösung für das bestehende Problem des Käufers. Nicht Features. Diese sind zwar „Nice-to-Haves“ und runden das Verkaufsargument ab, sind jedoch nicht primär ausschlaggebend. Versuchen Sie also das Problem Ihres „Kunden“, dem Unternehmen, zu finden. Für was steht das Unternehmen? Welche Menschen arbeiten in diesem Unternehmen? Welche Werte werden dort gelebt? Alles Fragen, die weit über Ihren CV hinausgehen, jedoch die Basis bilden, um für beide Seiten einen nachhaltigen Match zu generieren.

Langfristig wachsen mit einem Hinzu-Motiv

Doch was hilft Ihnen dies nun für Ihr Bewerbungsgespräch? Was ich Ihnen damit sagen will ist, dass Sie die Emotionen und das Bauchgefühl der Personalentscheider bei Bewerbungen ebenfalls triggern sollten, um einerseits besser anzukommen und zeitgleich eine nachhaltigere Auswahl potenzieller Arbeitgeber zu treffen. Schließlich zieht sich meist eine stimmige Chemie gegenseitig an. Teamkultur ist fundamental wichtig, wenn man lange erfolgreich zusammen arbeiten will. Am Ende geht es auch weniger darum, gut anzukommen, sondern sich langfristig gut zu entwickeln und sein volles Potenzial auszuschöpfen. Und dies kann nur im richtigen Umfeld geschehen! Ein ideales Work Environment ist in erster Linie von einer Unternehmensvision und Teamkultur geprägt, welche sich mit Ihrer individuellen Karrierestrategie deckt. Und zwar langfristig! Zudem ist es entscheidend zu wissen, wer Sie als Leader an die Hand nehmen und ein guter Mentor für Sie sein wird, Wissen empathisch transferiert und in die gleiche Richtung wie Sie blickt. Diese Dinge sind unbezahlbar! Emotional wie auch monetär. Personalabteilungen sind deshalb dringend angehalten auf Faktoren wie Leadership und Teamkultur zu achten. Und dies bereits beim Recruiting, nicht erst als Behandlungsmaßnahme im Nachgang durch teure Trainings und Development Programs. Viele haben dies verstanden und achten zunehmend auf Faktoren, die zwischen den Zeilen stecken. Eine tolle Gelegenheit für Sie als Bewerber, sich von der Konkurrenz abzuheben!

Aus Ihrer Sicht ist es deshalb das Allerwichtigste, von Anfang an zu wissen, was Sie selbst möchten. Nicht nur gerade eben, sondern langfristig. Oft tendieren wir in Phasen der Frustration im gegenwärtigen Job zu Weg-von-Motivation, „Hauptsache weg hier“, und treffen voreilige Entscheidungen, die wiederum nicht lange Bestand haben. Viel besser ist eine nachhaltige Hinzu-Motivation zum neuen Umfeld. Dies kann auch im selben Unternehmen liegen, jedoch benötigen Sie innere Klarheit dafür. Dabei ist ein essentieller Faktor wichtiger als jeder CV oder jedes Zeugnis. Ihre Story! Darunter ist nicht ein Abklappern von Karrierestationen und Standardtiteln gemeint, sondern Ihre LEBENS-Geschichte. Eine Geschichte, die Ihren zukünftigen Karriereweg skizziert und sich auf der Vergangenheit stützt. Sie beinhaltet Ihr „wahres“ Ich und die Vision und Mission, die Sie beruflich wie auch privat verfolgen.

Doch was muss eine gute Story enthalten, die jeden Personaler auch überzeugt? Ehrlichkeit ist hierbei natürlich das Credo in Bezug auf Nachhaltigkeit. Nur wenn Sie sich zunächst so akzeptieren wie Sie heute sind, können Sie langfristig nach vorne eine effiziente Entwicklung vornehmen. Bevor Sie beginnen in der Vergangenheit nach Beweisen für die Kompetenz des angestrebten Jobs zu suchen, ist es viel wichtiger zunächst klar nach vorne zu blicken. Wo soll Ihr Weg hinführen? Warum möchten Sie in dieses spezielle Unternehmen? Was möchten Sie generell erreichen?…Und am wichtigsten: Warum? Skizzieren Sie Ihre ideale (Wunsch-)Vorstellung, Ihr Perfect Picture darüber, wie ein aus Ihrer Sicht „perfektes“ Privat- und Karriereleben aussehen würde. Ganz wichtig: zunächst ohne „realistisch“ zu denken. Um wirklich zu sich zu finden, ist es ratsam zu Beginn zu versuchen, den Kopf in gewisser Weise auszuschalten, da wir sowieso unsere eigene Brille der Realität aufhaben und diese häufig gespickt ist mit verzerrten und negativen Glaubenssätzen. Wir neigen nämlich meistens dazu, unser stärkster Kritiker zu sein. Häufig völlig unbegründet.
Es geht im ersten Schritt sozusagen um ein klassisches Brainstorming. Egal wie wild die Vorstellung, einfach raus mit den (freudigen) Gedanken!

Nachfolgend gebe ich Ihnen ein paar grundlegende Fragen an die Hand, mit denen Sie beispielsweise prüfen können, wo Ihre ideale Zukunft möglicherweise liegen könnte. Ganz wichtig ist jedoch, dass Sie nicht zu krampfhaft versuchen Ergebnisse zu produzieren. Vielleicht machen Sie es sich auch einfach auf der Couch gemütlich oder legen Ihr Lieblingslied auf und machen sich einfach eine kleine Freude, indem Sie kurz loslassen und ein bisschen „träumen“. Sie werden am Ende womöglich feststellen, dass es gar nicht so unrealistisch ist, was Sie sich so ausmalen:

Der Prozess kann wie folgt aussehen:
  1. Ultimative Vision: Wo sehe ich mich ultimativ? Was möchte ich in 20-30 Jahren erlebt haben? Welches Potenzial steckt (eigentlich) in mir? Ganz wichtig an dieser Stelle: WARUM müssen Sie dies unbedingt erreichen? Welche positiven Auswirkungen hätte diese Vision auf Sie und Ihr Umfeld?
  2. 3-Jahres-Vision: Wie würde mein beruflicher UND privater Alltag in 3 Jahren bestenfalls aussehen?
  3. Wie gestaltet sich mein ideales Arbeitsumfeld? (Kollegen, Arbeitgeber, Unternehmenskultur, Teamstruktur etc.)
  4. Welche Unternehmensvision passt zu meinem jetzigen und vor allem zukünftigen Lebensweg? (Themen wie Nachhaltigkeit, Humanity Plus, Innovation etc.)
  5. Welche Skills möchte ich unbedingt entwickeln? Welche Talente kann ich noch zu Stärken ausbauen? Welchen Leader und Mentor bräuchte ich idealerweise, um Stärken auszubauen und Schwächen auszugleichen?
  6. Purpose: Was möchte ich auf dieser Welt eigentlich ultimativ hinterlassen? Wie helfe ich der Gemeinschaft mit meinem Potenzial am Besten? Was steckt in mir und wozu bin ich geschaffen?
  7. CV: Wie hilft mir meine bisherige Vita bei diesen Zielen? Welche Erfolge konnte ich in dieser Richtung bereits feiern? Wie kann ich die zurückliegenden Karrierepunkte verknüpfen und nutzen, um meiner Traumvision näher zu kommen?

Wichtig ist zu wissen, dass Sie jederzeit eine Wahl haben und immer einen kleinen Schritt entfernt sind von einem komplett anderen Leben! Beruflich wie auch privat! Und am Ende geht es schließlich darum glücklich und zufrieden zu sein und Dinge zu erLEBEN, die Ihnen Spaß machen.Aus der Beantwortung der obigen Fragen erstellen Sie am besten ein erstes kleines Mission Statement. Einen "Elevator Pitch", den Sie Menschen erzählen können, wenn sie gefragt werden, „was Sie denn so machen oder beruflich vorhaben“. Ebenfalls die perfekte Grundlage für ein gelungenes Interview!

Erstellen Sie Ihre Power Story.

Die Beantwortung dieser Fragen gibt Ihnen ein Gespür dafür, WAS Sie wirklich möchten, WARUM Sie es möchten und WIE Sie in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt haben, dass Sie das Zeug dazu haben, Ihre Lebensvision erfolgreich umzusetzen. Die Antworten produzieren vor allem Emotionen, die mehr wert sind als alles andere. Sie finden in erster Linie zu sich und werden aus diesen Einsichten viel mehr Motivation ziehen können als Sie vielleicht für möglich halten.

Wie sieht Ihr idealer Job also aus? Dies zu wissen ist die Basis für jeden weiteren Karriereschritt. Wenn Sie sich darüber bewusst(er) werden, ergibt sich eine Story mit Inhalt und Power, die in jedem Bewerbungsgespräch authentisch und überzeugend ankommt und Sie zugleich vor falschen Karriereschritten bewahrt! Ihre selektive Wahrnehmung wird sich ebenfalls auf passende Unternehmen ausrichten, was nochmals die Erfolgsquote steigert, das richtige Umfeld für Ihr Wachstum zu finden.

Wie lautet Ihre Story? Schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt. Mit Sicherheit ist Ihre persönliche Geschichte einzigartig! Erzählen Sie diese der Welt und rocken Sie von nun an jedes Interview damit!

 

Autor: Lukas China
Bildquellen: Pexels.com